21.09.2017

Marktnews

Der Schweizer Strommarkt ist Bestandteil des europäischen Strommarktes und ist der EEX mit Sitz in Leipzig (Deutschland) angegliedert. Dadurch werden die Schweizer Strompreise am Grosshandelsmarkt in Euro gehandelt. Hinzu kommt, dass die Schweiz grenzüberschreitende Stromleitungen nach Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien besitzt. Dadurch ist die Schweiz eine Stromdrehscheibe in Mitteleuropa. Daher spielen die Preisentwicklungen in den drei Ländern Deutschland, Frankreich und Italien eine wesentliche Rolle in der Preisbildung am Schweizer Terminmarkt. Der deutsche Strommarkt ist einer der grössten und liquidesten Märkte in Europa und besitzt daher einen dominierenden Einfluss auf die umliegenden Länder.

Rückblick

Die Entwicklung der Strompreise war bis etwa Mitte Mai 2017 von einer Seitwärtsbewegung geprägt. Zwar schwankten auch in diesem Zeitraum die Preise um bis zu drei Euro, aber ein Trend war nicht klar erkennbar. In Schweizer Franken jedoch änderten sich die Preise etwas früher.

*Der Marktbericht der EBL dient ausschliesslich zu Informationszwecken. Alle verwendeten Daten und Informationen hält die EBL für zuverlässig und vertrauenswürdig. Für die Richtigkeit der Angaben durch die Primär- und Sekundärquellen übernimmt die EBL jedoch keine Haftung oder Gewährleistung. Die Texte werden nach besten Wissen und Gewissen geschrieben und veröffentlicht.

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Nachdem Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang von den französischen Wählern als Präsident bestätigt wurde, wertete der Euro gegenüber dem Schweizer Franken von 1.06 auf 1.10 CHF / € auf. Dies verteuerte dann die Endkundenpreise in Schweizer Franken. Ab Mitte Mai 2017 setzte dann auch im Strommarkt ein sehr behutsamer Trend steigender Preise ein. Initiiert wurde diese Bewegung auf dem europäischen Kohlemarkt. Diese steigenden Preise sorgten im kohleintensiven Deutschland für einen Anstiege der Terminpreise. Aufgrund der oben beschriebenen Mechanik der Märkte, verteuerten sich auch in der Schweiz die Preise. Mitte August erhöhten sich zusätzlich die Preise für die CO2-Verschmutzungszertifikate, welche in Europa bei der Verstromung fossiler Brennstoffe notwendig sind. Als zusätzlich preistreibend wirkten Meldungen über Mängel in französischen Atomkraftwerken. Dort befinden sich viele Kraftwerke in ausserplanmässigen Revisionen. Im August verteuerte sich der Strom in Schweizer Franken zusätzlich, da der Euro innerhalb kürzester Zeit von 1.10 CHF / € auf 1.15 CHF / € verteuerte.

Ausblick

Saisonal bedingt steigt im Winter die Nachfrage nach Strom in weiten Teilen Europas. Vor allem die Schweiz und Frankreich sind gute Beispiele hierfür. Durch die steigende Nachfrage verteuern sich in der Regel auch die Strompreise am Spotmarkt und Ängste über Knappheit lassen die Preise für Wochenprodukte oder Monate verrückt spielen. Die Mängel in den französischen Atomkraftwerken liefern daher viel Munition für eine Preistreiberei, welche sich dann auch auf die Terminmarktpreise durchschlägt. Auch die Preise für Kraftwerkskohle und die Verschmutzungszertifikate haben ihre Preisrallye weiter fortgesetzt. In beiden Märkten wurden kritische Preisschwellen erreicht und im Vorbeigehen überschritten. Neben Kohle und CO2, spielt Gas in Europa auch eine wichtige Rolle zur Stromerzeugung, gerade in Stunden hoher Spitzenlast. Seit Anfang September verteuerte sich auch der Gaspreis deutlich und verstärkte so die Verteuerung der Strompreise in Deutschland und nachgelagert auch in der Schweiz. Die europäische Zentralbank sieht aktuell Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone. Dies bedeutet, dass sie ihre geldpolitischen Massnahmen in naher Zukunft zurückfahren könnte. Damit sollte der Franken auf dem aktuellen Niveau von 1.15 CHF / € bleiben oder sogar weiter leicht abwerten.

Fazit

In Summe deuten also alle Indikatoren auf weiterhin steigende Preise hin. Das bereits aktuelle Preisniveau ist so hoch wie seit einigen Jahren nicht mehr. Eine Trendwende zu längerfristig fallenden Preisen ist in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Allenfalls externe Schocks an den Finanz- und Rohstoffmärkten könnten die Preise wieder drücken. Darauf zu hoffen ähnelt aber dem Gang ins Casino.