Strompreisentwicklung

Die Energiepreise schiessen nach oben. Warum?

Die Energiepreise am Strommarkt sind seit Februar 2016 am Steigen, nachdem sie europaweit die letzten Jahre auf tiefem Niveau lagen. Der Preisunterschied ist eindrücklich: Im Vergleich zum Tiefpunkt Anfang 2016 ist der Strom aktuell fast dreimal so teuer

Besonders stark war der Anstieg seit diesem Frühling. Während Mitte April das Produkt für den deutsch-österreichischen Markt, an dem sich auch die Preise für das Schweizer Produkt orientieren, um die 38 Euro pro Megawattstunde kostete, betrug der Preis Mitte Oktober über 50 Euro. Was waren die Treiber dieses starken Preisanstiegs? Urs Gehrig von schweizstrom klärt auf:

«Die Rohstoffpreise beeinflussen den Strommarkt. Dieses Jahr sind die Preise für Kohle, Gas und Öl gestiegen und als Folge davon auch die Strompreise. Der Anstieg des Ölpreises wurde unter anderem durch die restriktive Förderpolitik der OPEC (Organisation ölexportierender Länder) sowie die Sanktionen der Amerikaner gegen den Iran verursacht.

Ein zweiter Preistreiber war der langanhaltende heisse und trockene Sommer. Dieser beeinflusste gleich mehrere Stromquellen negativ. Der tiefe Wasserstand führte zu einer Drosselung der Leistung bei den Flusskraftwerken. Mehrere Atom- und Kohlekraftwerke mussten ihre Produktion herunterfahren, da das Flusswasser, das für die Kühlung der Reaktoren genutzt wird, die zulässigen Temperatur-Grenzwerte erreicht oder sogar überschritten hatte.

Zudem war es auch ein besonders windstiller Sommer. Die europäischen Windparks haben deshalb weniger Strom produziert als üblich. Photovoltaikanlagen konnten zwar von den vielen Sonnenstunden profitieren, sie verlieren aber bei hohen Aussentemperaturen an Effizienz. All diese Punkte beeinflussten den Markt vor allem kurzfristig. Einen indirekten Einfluss haben sie aber auch auf die mittelfristigen Strompreise.

Ein dritter Grund für die steigenden Preise sind Stromengpässe in Frankreich. Das Land bezieht 80 Prozent seiner Energie von 19 Kernkraftwerken mit 58 Reaktorblöcken. Von diesen standen die letzten Monate phasenweise nahezu 50 Prozent aus unterschiedlichen Gründen still. Auch Belgien befürchtet Engpässe in der Stromversorgung, weil im November sechs von sieben Atommeiler wegen Unterhalts- oder Reparatur-Arbeiten abgeschaltet werden müssen. Je nach Dauer dieser Ausfälle beeinflussen sie auch das Preisniveau des kommenden Jahres.

Ein vierter Preistreiber war der Preisanstieg der CO2-Zertifikate. Dafür gab es vor allem drei Gründe: Erstens die restriktivere Umsetzung der Marktstabilitätsreserve zum Abbau des Zertifikate-Überschusses, zweitens Spekulationen auf den steigenden Preis und drittens der wetterbedingt hohe Bedarf im aktuellen Jahr. In Europa wurden aufgrund der verminderten Produktion durch Wasserkraftwerke, Windkraftwerke und Atomkraftwerke vermehrt Stein- und Braunkohlekraftwerke sowie Gastturbinen und Heizöl zur Abdeckung der Energienachfrage zugeschaltet. Insgesamt stieg der Preis für CO2-Emissionsrechte in diesem Jahr um deutlich über 100 Prozent.

Seit Mitte September befindet sich der Markt jedoch in einer Seitwärtsbewegung mit starken Preisausschlägen. Die weitere Entwicklung ist schwer zu prognostizieren. Wir erwarten mittelfristig einen weiteren Preisanstieg.

Die Volatilität des Strompreises ist – auch aufgrund der Preisschwankungen beim CO2, der gesamtwirtschaftlichen Risiken und der unsicheren Entwicklungen hinsichtlich der Energiepolitik – aktuell sehr hoch. Unser Analysten-Team beobachtet täglich die Marktgeschehnisse und leitet ihre Einkaufsstrategie davon ab. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf und lassen Sie sich beraten.»