• EBL Geschäftsbericht 2016

Vorwort von Erich Geiser, Präsident des Verwaltungsrates

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2016.

Obwohl der Strompreis weiterhin stark unter widerwärtigen Rahmenbedingungen leidet, darf die EBL auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurückblicken. Die strategische Basis dazu wurde vor vielen Jahren gelegt, als entschieden wurde, die sich bietenden Chancen der Zukunft mit erneuerbarer Energie zu nutzen und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv am Umbau der Energielandschaft Schweiz einzubringen. Die Steigerung des Unternehmensgewinns gegenüber dem Vorjahr ist auch das Ergebnis einer konsequenten Effizienzsteigerung auf allen Ebenen.

Auch das Geschäftsjahr 2016 wurde geprägt durch die tiefen Stromhandelspreise und die damit verbundene fehlende Ertragskraft des Schweizer Kraftwerkparkes. Die Gründe dafür liegen weiterhin im starken Franken bzw. im schwachen Euro, in der schleppenden konjunkturellen Entwicklung Europas, den tieferen Kosten für fossile Primärenergie, dem tiefen Preis im CO 2 -Handel und nicht zuletzt der massiven europäischen Subventionierung (vornehmlich durch Deutschland) des Stromes aus erneuerbaren Energien. Da der Stromhandelspreis auch in den nächsten Jahren durch diese entscheidenden Indikatoren geprägt sein wird, wird der Druck auf den Kraftwerkpark der Schweiz unvermindert anhalten. Vor allem zur Rettung der Wasserkraftwerke – sie liefern notabene 60% der erneuerbaren Energie aus Schweizer Stromproduktion – sind politische und wirtschaftliche Lösungen unabdingbar. Die Umsetzung der richtigen Schlüsse aus der Energiestrategie 2050 kann ein Teil dieser Lösung sein. Vorerst muss jedoch die Abstimmung über das Referendum abgewartet werden. Für die strategische Ausrichtung der EBL ist die vom Bundesrat vorgelegte Energiestrategie 2050 nicht das Mass aller Dinge. Die Energiewende findet seit Jahren statt, und dabei gibt es zwei Handlungsoptionen: Entweder man ignoriert sie und verharrt im alten Denkmuster oder man will aktiv die sich bietenden Chancen der Transformation in die Zukunft mit erneuerbarer Energie nutzen. Die EBL gehört zu denjenigen Unternehmen, die seit mehreren Jahrzehnten mit Mut, Pioniergeist und Weitsicht Chancen der Nachhaltigkeit nutzen und sich damit ein gesundes Geschäftsmodell auf einer finanziell stabilen Basis aufgebaut haben. Auch im Geschäftsjahr 2016 zahlt sich diese weitsichtige und kohärente Unternehmensstrategie für die EBL aus. In allen vier Geschäftsfeldern – Netz, Strom, Wärme und Telekommunikation – wurden weitere markante Fortschritte erzielt, was sich in einem höheren Umsatz, einer höheren Bruttogewinnmarge und einem höheren Unternehmensgewinn niederschlägt. Diese finanziell gesunde Basis erlaubt es der EBL, mit Innovation in zukunftsorientierte Projekte zu investieren und weiterhin die Energiewende im Rahmen ihrer Möglichkeit mitzubestimmen.

Ich bedanke mich bei den Mitgliedern der Geschäftsleitung und bei allen Mitarbeitenden für ihren grossen Einsatz im vergangenen Geschäftsjahr. Ich bedanke mich auch bei meinen Kollegen im Verwaltungsrat für die jederzeit kritische, loyale und konstruktive Zusammenarbeit. Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Delegierten für das entgegengebrachte Vertrauen und die jederzeit respektvolle Zusammenarbeit.

Interview mit EBL CEO Urs Steiner

Im Gespräch

Wie ist die EBL für den aktuellen und künftigen Umbruch in der Energielandschaft Schweiz aufgestellt?

Basis des finanziell gesunden Geschäftsmodells der EBL ist die bewährte 4-Säulen-Strategie Strom (Vertrieb und Produktion), Netz, Produktion nachhaltiger Wärme und Telekommunikation. Um im Rahmen der Energie-
wende wachsam den Herausforderungen entgegenzutreten, wurde im laufenden Geschäftsjahr ein Strategiereview für die Jahre 2017 – 2020 mit Ausblick auf 2027 erarbeitet. Dabei wurden klare Leitplanken für die kommenden Jahre gelegt. Die EBL will in den vier Sparten ein quantitatives und qualitatives Wachstum erzielen. Im Stromvertrieb haben wir uns mit dem Produkt «schweizstrom» in der Schweiz und mit Haushaltskunden in Deutschland hohe Ziele gesetzt. In der Stromproduktion wollen wir mit der Produktion von erneuerbaren Energien stark wachsen, während wir im Wärmecontracting schweizweit weiterhin für Gemeinden der Ansprechpartner für die Entwicklung und den Betrieb von Grosswärmeanlagen sein wollen. Als agiles und flink reagierendes Unternehmen wollen wir zudem Chancen in sich abzeichnenden Nischen nutzen. Übergeordnet zur strategischen Ausrichtung steht eine finanziell gesunde EBL, was die Eigenständigkeit sichert.

EBL Wind Invest AG plant, rund 300 Millionen Euro in Windparks in Deutschland zu investieren. Was ist die strategische Motivation der EBL für diese Stossrichtung?

Investitionen in Windenergie sind eine hervorragende Möglichkeit, energiewirtschaftlich und finanziell in eine nachhaltige Zukunft zu investieren. Mit EBL Wind Invest kann die EBL ihre grosse Erfahrung und Kompetenz im Bereich Infrastrukturmanagement nach dem Solarkraftwerk in Spanien (PE2) und EBL Fernwärme AG weiterentwickeln und Wachstum generieren. Diese Kompetenz und diese Kontinuität überzeugen insbesondere auch Finanzinvestoren wie Pensionskassen. Diese finanzieren bei EBL Wind Invest AG bis zu 90% des benötigten Eigenkapitals und beauftragten die EBL mit dem Investmentmanagement sowie der Geschäftsführung.

Die EBL verfügt technisch wie in Bezug auf Verfügbarkeit über ein sehr zuverlässiges Stromnetz. Welche Herausforderungen kommen bezüglich des Stromnetzes auf die EBL zu?

Die Verfügbarkeit des EBL Stromnetzes war tatsächlich in den letzten Jahren stets höher als bei anderen vergleichbaren Netzen. Dies ist nicht ohne Aufwand erreichbar. Stromnetze werden mit einem Planungshorizont von 20 – 30 Jahren gebaut. Um auch in einem Umfeld zu bestehen, das sich schneller als zuvor ändert, müssen Tendenzen zuverlässig antizipiert werden. Technologien wie dezentrale Einspeisung, u.a. mit Photovoltaikanlagen, lokalen Speichern und bald auch autarken Anlagen, werden an Bedeutung zunehmen. Mit einer Zielnetzplanung reagiert die EBL auf diese Entwicklung und hat einen Prozess implementiert, der uns zeitnah aufdie neuen Anforderungen reagieren lässt.

Das vierte strategische Standbein der EBL – die Telekommunikation – ist einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Wie kann sich die EBL gegenüber den Mitbewerbern behaupten?

Bislang verfügte ein Mitbewerber, Swisscom/Teleclub, über die Übertragungsrechte für Fussball national sowie international und nationales Eishockey. Diese Konstellation wirkte sich für die EBL nachteilig aus, da das der Kabelfernsehbranche zur Verfügung gestellte Sportangebot einen sehr kleinen Teil abdeckte. Dies ändert sich jedoch ab dem Sommer 2017 mit dem neuen Sportkanal der Kabelfernsehbranche: MySports. Mit dem Erwerb der Übertragungsrechte vom Schweizer Eishockeyverband durch die Kabelfernsehbranche wird es künftig möglich sein, nicht nur den Kunden der EBL, sondern schweizweit über 2 Millionen Kabelnetzkunden Livesport anzubieten. Neu gegenüber dem bisherigen Anbieter Teleclub wird sein, dass es nebst dem Pay-Angebot auf dem TV-Kabelnetz einen frei empfangbaren Sportkanal geben wird, welcher nebst Eishockey auch Beiträge aus Randsportarten zeigen wird.

GESELLSCHAFTSORGANE

EBL Organigramm

Organe

Die  EBL  ist  als  privatrechtliche  Genossenschaft  organisiert.  Die  Genossenschafter  sind  juristische  und  private Personen. Sie besitzen Liegenschaften, die am Stromnetz der  EBL  angeschlossen  sind.  Die  Rechte  der  Mitglieder werden  durch  die  Delegiertenversammlung  ausgeübt. Dazu  gehören  die  Wahl  des  Verwaltungsrates  und  der  Revisionsstelle, die Beschlussfassung über den Geschäftsbericht  und  die  Jahresrechnung.  Ebenso  die  Beschlussfassung  über  Statuten  und  das  Wahlreglement  über  die Bestimmung der Delegierten. Am 9. Juni 2016 trafen sich die  Delegierten  zur  ordentlichen  Versammlung  in  der  Lausener  Mehrzweckhalle  «Stutz».  Gezählt  wurden  190  Delegierte  sowie  zahlreiche  Gäste.  Verwaltungsratspräsident  Erich  Geiser berichtete,  dass  die  EBL  sich  in einem  komplexen  Marktumfeld  mit  massiv  eingebrochenen Strompreisen behaupten konnte und auf ein gutes Geschäftsjahr 2015 mit weniger Umsatz, jedoch mit mehr Gewinn zurückblicken kann. CEO Urs Steiner informierte über das Geschäftsergebnis und den Erfolg der verschiedenen Geschäftsbereiche  der  EBL.  Als  wichtige  Meilensteine nannte  er  die  Inbetriebnahme  des  Grosswärmeverbunds Pratteln sowie die Erschliessung des Gebietes Salina Raurica.  CFO  Alain  Jourdan  präsentierte  den  finanziellen  Erfolg  der  EBL  als  kerngesundes  Unternehmen  mit  hohem Eigenkapitalwert. In einer offenen Abstimmung wurden die bisherigen Verwaltungsräte einstimmig wiedergewählt und neu Stefan Weber aus Arboldswil, einstimmig in den Verwaltungsrat gewählt.

Organigramm

Verwaltungsrat

Geiser Erich, Bennwil, Präsident
De Courten Thomas, Rünenberg, Vizepräsident
Buser Christoph, Füllinsdorf
Heinzelmann Alexander, lic. iur., Ramlinsburg
Oberer Heiner, Pratteln
Schaffner Rudolf, Sissach
Sturzenegger Beat, Dr., Vordemwald
Weber Stefan, Arboldswil (neu ab 10.6.2016)
Zeller Beat, Tecknau

Revisionsstelle

BDO AG, Liestal

Geschäftsleitung

Steiner Urs, CEO
Andrist Beat, Wärme und Zentrale Funktionen, Stv. CEO
Andrist Tobias, Strom
Jourdan Alain, Finanzen und Dienste
Koessler Adrian, Telecom
Zinsli Andrea, Netz (bis 31.10.2016)
Bäckert Norbert, Netz (ab 1.11.2016)

EBL GRUPPE

Finanzen

Wettbewerbsvorteil durch Digitalisierung – Basis gelegt.

Im vergangenen Jahr konnte die EBL ihr neues ERP-System erfolgreich einführen. Über 300 000 Rechnungen wurden im neuen System Microsoft Dynamics AX mit der Branchenlösung MECOMS TM  erstellt. Rund 10 000 Kunden- und interne Projekte konnten erfolgreich abgewickelt werden. Wir haben die Chance genutzt, vieles zu harmonisieren und zu standardisieren. Dank den neuen Möglichkeiten konnten wir beispielsweise die Anzahl Produkte von fast tausend auf rund hundert reduzieren. Vereinfachung und Reduktion der Komplexität ist der Schlüsselfaktor, um in Zukunft effizient und kostengünstig zu sein, um in einem kompetitiven Markt bestehen zu können.

EBL nutzt die Vorteile der digitalen Technologie weiter:

  • 2017 führt die EBL ein Enterprise Asset Management ein, welches die präventiven und reaktiven Wartungsarbeiten steuert und optimiert, um die Versorgungssicherheit der Kunden zu erhöhen.
  • Das CRM wird laufend verbessert, um die Kunden vollumfänglicher unterstützen zu können.
  • Grosse Investitionen werden in das Kundenportal getätigt, damit unsere Kunden jederzeit Zugriff auf ihre Daten haben und zeitunabhängig mit EBL kommunizieren können.

Wir sind überzeugt, dass die Digitalisierung ein entscheidender Faktor im Wettbewerb sein wird. Dank der Einführung einer modernen, flexiblen ERP-Lösung ist die EBL gut gerüstet für die zukünftigen Herausforderungen, auf welche wir schnell reagieren können!

Der Finanzbericht 2016 - Zahlen

Finanzielles Ergebnis in Kürze

Die EBL Gruppe konnte ihr Ergebnis vor Minderheiten gegenüber dem Vorjahr auf 20 Mio. CHF verdoppeln: Ein von 48,5 auf 63,7 Mio. CHF gesteigertes EBITDA, aber auch ein erfolgreiches Finanzergebnis haben zum guten Resultat beigetragen. Das Verhältnis Nettoschulden zu EBITDA beträgt 1,5 (Vorjahr 2,2). Mit einer Eigenkapitalquote von 62,0% ist die EBL eine sehr gesund finanzierte Unternehmung.

Umsatz

In  einem  sehr  kompetitiven  Marktumfeld  mit  weiterhin tiefen Energiepreisen und trotz der Veräusserung der EBL Wärmesysteme AG ist es der EBL erfolgreich gelungen, den konsolidierten Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,1% auf 219,2 Mio. CHF zu steigern. Der Geschäftsbereich Wärme hat mit 4,7 Mio. CHF zum Umsatzwachstum beigetragen. Umsatztreiber waren die Erneuerbare Energieschiene Ergolztal mit den Grosswärmeverbünden Pratteln und Liestal sowie eine konsequente Verdichtung bestehender Wärmeverbundsanlagen in der ganzen Schweiz.

Trotz tiefen Grosshandelspreisen sowie tieferen Umsätzen in Deutschland konnte der Umsatz im Geschäftssegment Strom gehalten werden. Mit der Marke schweizstrom sind wir in  Deutschland ein etablierter  Ökostromanbieter.  Im zweiten  Halbjahr  konnte in Deutschland  die  Akquise  von Neukunden deutlich gesteigert werden, was sich im Umsatz des Folgejahres auswirken wird. 88,5% der EBL Kunden  beziehen  Strom  aus  erneuerbaren  Energien.  In  der Schweiz bearbeiten wir freie Marktkunden mit innovativen schweizstrom-Produkten wie Regelenergie  und  Spitzenlastmanagement äusserst erfolgreich.

Die EBL Telecom konnte sich auch 2016 trotz einem sehr aggressiven und kompetitiven  Markt in ihren 250 Kabelnetzen mit 92 000 Kunden weiterhin gut behaupten. Dank dem  digitalen  Rückgrat  unseres  Anschlusses,  der  3-in-1 Kabeldose, konnten wir auch im Bereich der Zusatzdienstleistungen ein Wachstum verzeichnen. Im Pay-TV-Bereich betrug das Wachstum 4,1%, im Internet steigerten wir uns um  5%  und  im  Bereich  Telefonie  durften  wir  10,8%  neue Kunden begrüssen. Erreicht wurden diese Resultate durch zielgerichtete Vermarktung und Werbemassnahmen in  
allen Kundensegmenten.

Aufwand

Dank  einer  seit  Jahren  konsequenten  Umsetzung  eines Kosten- und Effizienzsteigerungsprogrammes  konnten die Kosten gegenüber dem Vorjahr weiter gesenkt werden.  Im Personalaufwand war in der Vorperiode die Auflösung einer Rückstellung von 5,8  Mio. CHF für die Sanierung der Pensionskasse enthalten.

Die  Abschreibungen  auf  Sachanlagen  enthielten  im  Vorjahr 7,3 Mio. CHF Auflösungen von nicht benötigten Wertberichtigungen.  Im  Jahr  2016  sind  einmalige  Sonderabschreibungen von 3,2 Mio. CHF angefallen. Die Erhöhung der  Abschreibungen  auf  immateriellen  Anlagen  resultiert aus Investitionen in die Digitalisierung der EBL.

Finanzergebnis

Das Finanzergebnis konnte gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Mio.  CHF  gesteigert  werden.  Während  im  Jahr  2015  ein negativer  Erfolg  aus  Fremdwährungen  von  3,9  Mio.  CHF sowie Abschreibungen auf Beteiligungen von 2,0 Mio. CHF zu verzeichnen waren, konnte der Zinsaufwand 2016 gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Mio. CHF reduziert werden. Aus  der Veräusserung  von  Beteiligungen  konnten  2016 Verkaufsgewinne von 2,0 Mio. CHF erzielt werden.

Bilanz

In den Finanzanlagen ist die 7,1%-Beteiligung an Alpiq zu Gestehungskosten von 66,5 Mio. CHF bilanziert. Der Kurswert per  Bilanzstichtag  betrug  169,0  Mio.  CHF  (Vorjahr  208,7 Mio. CHF). Mit einer Eigenkapitalquote von 62,0% (Vorjahr 60,2%) und einem Entschuldungsfaktor (Nettoschulden dividiert durch EBITDA) von 1,5 (Vorjahr 2,2) verfügt die EBL über eine sehr solide Finanzierungsstruktur.

Der Geschäftsbericht 2016.
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