GESCHÄFTSJAHR 2020

HIGHLIGHTS

EBITDA

(GEWINN VOR FINANZERFOLG, STEUERN UND ABSCHREIBUNGEN )
EBITDA

ERGEBNIS NACH MINDERHEITS-
ANTEILEN

Ergebnis nach Minderheitsanteilen

ENTSCHULDUNGSFAKTOR

kreis-Entschuldungsfaktor

In 0,9 Jahren kann die EBL ihre Finanzschulden aus eigener Kraft zurückzahlen.

VORWORT

2020 − NACHHALTIGKEIT IN ZEITEN DER GLOBALEN COVID-19-KRISE.

Martin Thommen, Präsident des Verwaltungsrates

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Die COVID-19-Pandemie hat uns eindrücklich gezeigt, dass die grossen Krisen global wirken und einen globalen Ansatz benötigen, welcher jedoch lokal und differenziert umgesetzt werden muss. Dies gilt für COVID-19 wie auch für den Klimawandel. Beide Themen haben die EBL 2020 stark gefordert.

 

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Wer hätte Anfang 2020 gedacht, dass sich die Welt, die Schweiz und auch die EBL innerhalb von wenigen Wochen einer Herausforderung stellen müssen, welche unsichtbar ist und dennoch derart sichtbare menschliche, soziale und wirtschaftliche Schäden hinterlässt. Die COVID-19-Pandemie hat innerhalb kurzer Zeit die Gesellschaft sowie das öffentliche und wirtschaftliche Leben in einer Form gebremst, welche unsere Generation noch nie gesehen hat. Wir alle mussten unsere Verhaltensformen drastisch anpassen und Freiheiten opfern, um dem Virus entgegenzuwirken. Die verordneten Massnahmen belasten sämtliche Aspekte unserer Gesellschaft; nicht zuletzt die wirtschaftliche Entwicklung und somit auch das Geschäft der EBL. Der Strom- sowie der Wärmeabsatz haben unter dieser Krise gelitten und naturgemäss das Ergebnis der EBL beeinflusst.

Dennoch können wir heute feststellen, dass die EBL sehr gut durch das Jahr 2020 gekommen ist und sich laufend an die neuen Gegebenheiten anpasst. Innerhalb weniger Tage hat die EBL im Frühjahr 2020 den Grossteil ihrer Mitarbeitenden ins Homeoffice gestellt und Schutzkonzepte für die Belegschaft vor Ort aufgebaut. Beinahe ohne nennenswerte Unterbrechung konnten wir die Strom- und Wärmelieferung garantieren. Unsere Telekomnetze haben gerade in dieser Zeit eine noch wichtigere Funktion für die nun zu Hause arbeitenden Kunden erbracht.

Aber COVID-19 war 2020 nicht das alleinige Thema für die EBL. Als ein der Nachhaltigkeit verpflichtetes Unternehmen haben wir in unseren Sparten konsequent weiter an der Umsetzung unserer Strategie gearbeitet. Wir haben rund 52 Millionen in unsere Strom- und Telekomnetze, Wärmeverbünde und Produktionsanlagen investiert. Durch die Übernahme der BayWa Ökoenergie GmbH haben wir unsere Marktstellung im Vertrieb Deutschland gestärkt. Wir haben Windparks in Deutschland akquiriert und uns an einer PV-Entwicklungspipeline in Spanien beteiligt. Im Bereich Infrastrukturmanagement für Dritte haben wir die Lancierung eines Fonds für Institutionelle Investoren beschlossen, welcher ab 2021 noch stärker in erneuerbare Energien investieren wird.

Als ein Highlight des Jahres konnten wir im August den EBL Klimagipfel mit rund 100 Gästen vor Ort durchführen, wobei der Livestream mittlerweile über 1100 mal angesehen wurde. Am hybriden Event referierten die ETH-Professoren Dr. Reto Knutti und Dr. Gabriela Hug über den Klimawandel und dessen Einfluss auf das Energiesystem. Aus dem EBL Klimagipfel ist die EBL Academy entstanden, welche zu Themen der Energiewende Tutorials und Websessions anbietet und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die EBL lässt sich auch durch Corona nicht von ihrem Weg abbringen. Als regionale Genossenschaft sind wir konsequent auf die Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Mein herzliches Dankeschön richtet sich im Besonderen an meine Verwaltungsratskolleginnen und -kollegen, die Geschäftsleitung und die Mitarbeitenden. Eurem grossen Einsatz und Engagement ist es zu verdanken, dass die EBL auch im besonderen Corona-Jahr erfolgreich wirtschaften konnte.

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«UNSER WEG ZUR NACHHALTIGKEIT KANN AUCH CORONA NICHT
STOPPEN.»

TOBIAS ANDRIST, CEO

IM GESPRÄCH

INTERVIEW MIT TOBIAS ANDRIST, CEO DER EBL

Die Corona-Krise hat uns als Unternehmen stark gefordert und wir mussten uns anpassen. Im Rückblick gehen wir dank diesen Anpassungen aber gestärkt in das neue Jahr und setzen unsere Strategie in Richtung Nachhaltigkeit konsequent weiter um.

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Wie haben Sie die Corona-Krise persönlich erlebt?

Ich würde sagen, ich habe die Corona-Pandemie wie die meisten Menschen erlebt. Zuerst kam eine Verunsicherung auf, da sehr wenige Informationen verfügbar waren und niemand wusste, was COVID-19 wirklich bedeutet. Danach versucht man an Daten und Fakten zu gelangen sowie Handlungsoptionen abzuleiten, bevor der Anpassungsprozess erfolgt. Bei der EBL haben wir innerhalb von 12 Stunden von «no home office» auf «full home office» umgestellt. Dank sehr guten Systemvoraussetzungen hat das einwandfrei geklappt, aber es war ein grosser Kulturbruch. Zudem kommen viele neue Fragen auf: Wie führen wir eine Unternehmung? Wie gehen die Mitarbeitenden damit um? Können wir unseren Auftrag wirklich erfüllen? Und vieles mehr. Irgendwann haben wir realisiert, dass es sich hierbei um einen Marathon handelt und wir unsere Kräfte einteilen müssen.

 

Wie stark ist die EBL von der Krise selbst betroffen und wie geht die EBL damit um?

Als Energie- und Telekommunikationsversorger ist die EBL ein systemkritisches Unternehmen. Gerade in dieser Situation war es wichtig, dass wir unsere Hauptleistungen, nämlich die Sicherstellung der Stromversorgung und der Telekommunikationsverbindungen, jederzeit aufrechterhalten konnten. Natürlich hat uns Corona auch einiges gekostet. So schlossen viele Wärmebezüger, wie beispielsweise Schwimmbäder oder Hotels, oder agierten in reduziertem Betrieb. Auch die Wirtschaft hat im Lockdown im Frühjahr wesentlich weniger Strom verbraucht. Diese Mindermengen mussten wir an den Strombörsen mit Verlust verkaufen, da die Strompreise gesunken sind. Wir sind jedoch wesentlich weniger betroffen als viele andere Unternehmen − dafür sind wir dankbar.

 

Der Geschäftsbericht 2020 steht unter dem Titel der Nachhaltigkeit. Wie sehen Sie diesen Aspekt im Kontext zur aktuellen Krise?

Natürlich hat COVID-19 das Thema Nachhaltigkeit im 2020 etwas verdrängt. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass die Herausforderung des Klimawandels nach der Corona-Krise grösser geworden ist und wir als Gesellschaft weniger weit gekommen sind, als notwendig wäre. Die EBL ist eine Genossenschaft, welche sich zu 100% der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Unsere Strategie zielt konsequent darauf ab, in diesem Bereich Nutzen zu stiften und wirtschaftlich zu profitieren. Wir haben deshalb auch 2020 weiter an sehr vielen Projekten und Stossrichtungen gearbeitet, investiert und Innovationen lanciert. Mit dem EBL Klimagipfel im August 2020 − welchen wir wegen Corona in den virtuellen Raum verschoben haben − konnten wir viele Menschen informieren und aktivieren. Auch dies ist eine wichtige Rolle der EBL.

 

Wenn Sie ins 2021 schauen − welche Erwartungen haben Sie?

Wirtschaftlich wird 2021 wohl einiges positiver ausfallen. Dank dem 2020 realisierten operativen Wachstum werden wir gestärkt ins neue Jahr gehen. Die vom Verwaltungsrat getroffenen strategischen Entscheide, wie z.B. die Lancierung eines neuen Fonds für Investitionen in nachhaltige Energieerzeugung, werden der EBL weiteren Aufschub geben. Parallel verfolgt die EBL seit dem Jahr 2012 ein konsequentes Lean Management. Alle Mitarbeitenden arbeiten daran, die Unternehmung noch besser auf die Kunden auszurichten und effizienter zu gestalten. Auch dies wird sich weiter bezahlt machen. Auf jeden Fall freue ich mich auf das neue Jahr − es gilt erneut, viele Herausforderungen zu meistern!

GESCHÄFTSBEREICH NETZE

ZWISCHEN HOHER VERFÜGBARKEIT UND FAIREN PREISEN

Norbert Bäckert, Leiter Geschäftsbereich Netze

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Wer Stromnetze plant, baut und betreibt, denkt lanfristig. Er muss sich in die Lage versetzen, Szenarien über 25 Jahre hinaus zu entwickeln, technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Tendenzen zu erahnen und Entscheidungen zu treffen, welche auch spätere Generationen beeinflussen.

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Die Kabel, Freileitungen und Transformatoren, die wir im vergangenen Jahr ersetzt haben, waren teilweise 40 Jahre oder länger in Betrieb, um die Versorgung unserer Kunden mit Strom zu garantieren.
Ob wir erfolgreich dabei sind, messen wir kurzfristig, indem wir beobachten, wie lange unsere Kunden im Durchschnitt ohne gewohnte Versorgung auskommen mussten. Im Jahr 2020 waren dies weniger als 19 Minuten. Was uns aber nachhaltig beschäftigt, ist die Frage, ob wir unser Netz fit für die Zukunft machen konnten? Werden wir in der Lage sein, die Herausforderungen der nächsten Jahre zu meistern? Dazu gehören auch die höhere Anzahl von PV-Anlagen, die Umstellung zur E-Mobilität und auch hier die steigende Digitalisierung und Vernetzung technischer Komponenten. Um diese Ziele zu erreichen, hat die EBL auch in diesem Jahr fast 20 Mio. CHF in die Netzinfrastruktur und deren Automatisierung investiert.

GESCHÄFTSBEREICH STROM

WACHSTUM, COVID-19 UND NEUE PRODUKTE

Tobias Andrist, CEO und Leiter Geschäftsbereich Strom

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Das Jahr 2020 war herausfordernd und mit vielen Höhen und Tiefen bestückt.
Die Corona-Krise hat den Stromabsatz in der Schweiz im Frühjahr im Geschäftskundenbereich drastisch sinken lassen. Da die Strommengen bereits beschafft waren, mussten diese an den Strommärkten verkauft werden.

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Da alle Energieversorger die Strommengen verkauft haben, sind die Preise stark unter Druck gekommen und die EBL musste einen Verlust realisieren. Im Haushaltskundengeschäft Schweiz hat sich die Krise nicht materiell bemerkbar gemacht. Ebenfalls in der Schweiz konnten neue Produkte lanciert werden: ein neues Abrechnungsmodell für ZEV-Kunden (Zusammenschluss für den Eigenverbrauch), neue Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Elektromobilität sowie die Plattform Sun2050.ch für Kunden, welche eine Photovoltaikanlage erwerben möchten.
In Deutschland konnte die EBL mit der Akquisition der BayWa Ökoenergie GmbH die Anzahl der belieferten Kunden auf rund 58 000 erhöhen. Mit der Transaktion wurde ebenfalls ein Geschäftskundenportfolio übernommen, welches Ende 2020 verkauft wurde. Der Fokus in Deutschland liegt somit auf der weiteren Optimierung der Prozesse und der Reduktion der Kostenbasis.

GESCHÄFTSBEREICH WÄRME

WARME WITTERUNG UND CORONA DRÜCKEN ABSATZ

Roger Scheidegger, Leiter Geschäftsbereich Wärme

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Durch Corona bedingte Schliessungen von Schulen, Hallenbädern sowie Gastronomie und Hotelbetrieben ist der Energieabsatz deutlich unter den Planwerten. Verstärkt wurde dieser Effekt durch das warme erste Halbjahr.

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Die insgesamt 110 neuen Fernwärmeanschlüsse konnten den Einbruch teilweise kompensieren.
Trotz Social Distancing hat sich der Trend zum Umstieg auf eine ökologischere Energieversorgung fortgesetzt. Es wurden 199 neue Kundenverträge für Neuanschlüsse abgeschlossen. Erfreulich sind auch die Freigaben für 2 Neuprojekte: In Ittigen bei Bern entsteht ein neuer Verbund, welcher Wärme ab ARA nutzt, um Kunden in den Gemeinden Ittigen, Zollikofen und dem Berner Quartier Felsenau zu versorgen. Bei unserer Beteiligung an der AVARI AG in Interlaken konnte der Baustart für den neuen Verbund in Ringgenberg gefeiert werden, wo lokale Holzschnitzel für Wärme sorgen werden.
Stark gefordert sind wir durch die Sanierung und die Vergrösserung der Energiezentrale bei der Zentralwäscherei in Liestal. Trotz permanenter Versorgung der Kunden wird die Anlage komplett erneuert. Das Projekt ist auf Kurs und eines der Highlights im Jahr 2021 wird die Inbetriebnahme der neuen Holzkesselanlage sein.

GESCHÄFTSBEREICH TELECOM

PRIVILEGIERT IN EINEM VERRÜCKTEN JAHR

Adrian Koessler, Leiter Geschäftsbereich Telecom

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Wer hätte es überhaupt für möglich gehalten, dass uns in unseren Breitengraden ein Virus einschränkt und unser Leben dermassen beeinträchtigt. Dennoch hatten wir das Privileg, da Telekommunikationsnetze zur Grundversorgung gehören, unserer Arbeit weiter nachzugehen und unsere Shops, unter Einhaltung der Sicherheits- und Hygienemassnahmen, weiterhin offen zu halten. So konnten wir unseren Kunden, gerade beim Einrichten einer Homeoffice-Infrastruktur oder von Home Entertainment, zur Seite zu stehen.

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So durften wir bei den Internet-Abos weiter zulegen. Bei den Mobile-Phone-Abos wurden, dank der unschlagbaren Angebote, die Erwartungen sogar übertroffen.
Nachdem 2019 die Fusion zwischen Sunrise und UPC gescheitert war, kam der Zusammenschluss 2020 doch noch zustande. Wir sind froh, durch diesen Zusammenschluss einen Service Provider auf unseren Netzen zu haben, welcher auf allen Ebenen unserem grössten Mitbewerber, Swisscom, auf Augenhöhe begegnen kann.
Da der Preisdruck auch 2020 weiterhin zunahm, konnte der erhoffte Umsatz nicht ganz erreicht werden. Dank der konsequenten Einhaltung unseres Kostenoptimierungsprogrammes gelang es uns, das Ergebnis gegenüber dem Budget zu übertreffen.

GESCHÄFTSBEREICH STROMPRODUKTION

BAUTÄTIGKEITEN IM ZEICHEN DER NACHHALTIGKEIT

Yves Grebenarov, Leiter Geschäftsbereich Stromproduktion

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2020 stand für die Stromproduktion im Zeichen des Neubaus. So wurde in Zwingen im März mit dem Umbau des Wasserkraftwerks Obermatt begonnen. Trotz einiger Überraschungen bzw. Altlasten aus den 60er-Jahren wird der Bau voraussichtlich pünktlich im April 2021 abgeschlossen sein.

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In Bubendorf konnte die PV-Anlage Green Places in Betrieb genommen werden, welche zu den grösseren der EBL gehört. Somit bauen wir unser PV-Portfolio in der Region weiter kontinuierlich aus. In Deutschland herrscht momentan ein schwieriges Marktumfeld. Der Zubau an Wind-Onshore-Anlagen hat sich verlangsamt und es werden nur noch wenige Objekte zum Verkauf angeboten. Aus diesem Grund haben auch Akquisitionstätigkeiten der EBL Wind Invest abgenommen. Trotzdem konnten wir im August ein Bauprojekt für die EBL Wind Invest sichern. Alle drei genannten Projekte produzieren in Zukunft zusammen jährlich 19 600 MWh nachhaltigen Strom ohne CO2-Belastung. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Mit der Lancierung der EBL X Invest hat EBL den Entscheid getroffen, eine weitere Investitionslösung für institutionelle Investoren im Bereich Erneuerbare Energien aufzubauen. Die Umsetzung wird uns 2021 stark beschäftigen.

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LAGEBERICHT

DIE EBL GEHÖRT DEN KUNDEN

Alle fünf Jahre wählen die rund 12 000 Genossenschafter ihre Delegierten, welche die Beschlüsse an der Delegiertenversammlung treffen. Die Rechtsform der Genossenschaft ermöglicht es, dass ein breiter Teil der Bevölkerung Einfluss auf die Entwicklung der EBL nehmen kann.

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Wahl der Delegierten

Im Herbst fanden die Wahlen statt. In der Kategorie A (Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft) wurden 157 Delegierte (Vorperiode 161) und in der Kategorie B (Grosskonsumentinnen und Grosskonsumenten) 84 Delegierte (Vorperiode 86) gewählt. Die Kategorie C (Kollektivmitglieder) hat aufgrund der statuarischen Bestimmungen wiederum Anspruch auf 11 Delegierte.


Verwaltungsrat und Management

An der virtuellen Delegiertenversammlung vom 2. September ist der langjährige Verwaltungsrat und Verwaltungsratspräsident Erich Geiser aufgrund der statutarischen Altersbeschränkung zurückgetreten. Der Verwaltungsrat wählte Martin Thommen zum neuen Präsidenten und ernannte per 1. Februar Yves Grebenarov zum Geschäftsleitungsmitglied als Vorsteher der Sparte Stromproduktion.


Stromproduktion

Das Kraftwerksportfolio produzierte 179 GWh (Vorjahr 183 GWh) erneuerbaren Strom aus Wind-, Solar- und Hydroanlagen. Der leichte Rückgang von 2,2% ist mehrheitlich auf die schlechten Windaufkommen im zweiten Halbjahr in Deutschland sowie den Verkauf des Windparks Prötzel im Beteiligungsgefäss Helvetic Wind zurückzuführen.

In Zwingen begannen wir im März 2020 mit der Sanierung des 0,38 MW Ausleitungskraftwerks Obermatt, um es auf 0,60 MW zu vergrössern und in Bubendorf nahmen wir die 400-kWp-Photovoltaikanlage Green Places in Betrieb. Im Wind-Onshore-Markt in Deutschland kamen deutlich weniger Objekte zum Angebot. Trotzdem konnten wir im August ein Bauprojekt für die EBL Wind Invest sichern. Alle drei genannten Projekte produzieren jährlich 20,6 GWh erneuerbaren Strom.


Stromvertrieb

Durch die Corona-Krise ist der Stromabsatz im Frühjahr in der Schweiz drastisch gefallen. Eingedeckte Mengen mussten bei einem Käufermarkt glattgestellt werden, was zu Verlusten führte. Dank einer starken akquisitorischen Leistung haben wir dennoch den Stromabsatz in der Schweiz 2020 um 3,1% gesteigert. Ein neues Abrechnungsmodell für ZEV-Kunden (Zusammenschluss-für-den-Eigenverbrauch), Ladelösungen für die Elektromobilität sowie die Plattform Sun2050.ch sind ein paar Beispiele für Produktinnovationen.

Das Haushaltskundengeschäft für Strom und Gas in Deutschland haben wir dank der Akquisition von BayWa Ökoenergie GmbH per 1. Juli auf 58 000 Kunden gestärkt. In einem sehr kompetitiven Markt steigerten wir die Bruttogewinnmargen und senkten die Akquise- sowie Betriebskosten deutlich.


Stromnetz

Im Geschäftsjahr betrug die Stromunterbrechung je Kunde im Durchschnitt 18,42 Minuten (Vorjahr 16,55 Minuten). Die Stromversorgungssicherheit betrug somit 99,9964%.

Die EBL investierte netto 20,2 MCHF in die Erneuerung ihrer Stromnetze. Nebst vielen anderen Projekten haben wir in den Unterwerken Ormalingen und Füllinsdorf zwei 25-MVA-Transformatoren ersetzt. Der Nettobuchwert des Stromnetzes stieg gegenüber dem Vorjahr von 178 MCHF auf 187 MCHF.


Wärme

Durch coronabedingte Schliessungen von Schulen, Freizeit-, Gastronomie- und Hotelbetrieben ist der Energieabsatz − gepaart mit den 12% tieferen Heizgradtagen im Vergleich zum langjährigen Mittel − deutlich unter den Planwerten. Die 110 neuen Kundenanschlüsse kompensierten den Einbruch teilweise. Die EBL betreibt 47 Wärmeverbundsanlagen mit einer Leistung von 163 MW.

In Ittigen bei Bern konnte mit dem Bau eines 15,2-MW-Wärmeverbunds für die Gemeinden Ittigen, Zollikofen und das Berner Quartier Felsenau begonnen werden. Die Entwicklung der Anlage Airport City (Gemeinden Opfikon und Rümlang) treiben wir weiter voran; sie ist aber noch nicht baureif.

Die Sanierung der Fernwärmezentrale Liestal zur Erhöhung des Anteils aus erneuerbaren Energien läuft nach Plan. Zusätzlich werden verschiedene Quartierverbünde mit der neuen Zentrale verbunden. Die erste Etappe des Projekts ist mit 42 MCHF budgetiert.


Telecom

Im Telekommunikationsgeschäft steigerten wir die Anzahl der Internet- und Mobile-Kunden deutlich gegenüber dem Vorjahr (+2,6% resp. +41,1%). Die Anzahl Kabelfernsehkunden nahm aber aufgrund des sehr intensiven Wettbewerbs jedoch um 2,8% ab. Der durchschnittliche Umsatz je Kunde ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben.


Ausblick

Aufgrund des sehr guten Börsenjahrs 2019 sind die Kosten für die Stilllegungs- und Erneuerungsfonds der konventionellen Stromerzeugungsanlagen gesunken. Dies wirkt sich positiv auf die Beschaffungskosten aus dem Alpiq-Partnervertrag im Jahr 2021 aus.

In der Stromproduktion wird 2021 ein neues Investitionsgefäss für institutionelle Anleger lanciert. Der Investitionszielraum ist Spanien, Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Skandinavien, wobei der Technologiefokus auf Photovoltaik-, Wind- und Hydroanlagen liegt.

Die EBL plant, die Nutzung des 15 000 m2 grossen Areals an der Mühlemattstrasse in Liestal zu erhöhen. Dazu sind mehrere Neubauprojekte projektiert mit Baustart im Oktober 2021.

Der Kauf von Sunrise durch UPC wird die Schlagkraft der Telekomprodukte erhöhen.

GESELLSCHAFTSORGANE

DIE GESCHÄFTSLEITUNG

1

Yves Grebenarov

Leiter des Geschäftsbereichs Stromproduktion
Sparte Stromproduktion

2

Adrian Koessler

Leiter Geschäftsbereich Telecom
Sparte Telecom

3

Tobias Andrist

CEO & Leiter Geschäftsbereich Strom

4

Roger Scheidegger

Leiter Geschäftsbereich Wärme
Sparte Wärme

5

Alain Jourdan

CFO / Stv. CEO
Financial Services

6

Norbert Bäckert

Leiter Geschäftsbereich Netz
Sparte Netz

1

Yves Grebenarov

Leiter des Geschäftsbereichs Stromproduktion
Sparte Stromproduktion

2

Adrian Koessler

Leiter Geschäftsbereich Telecom
Sparte Telecom

3

Tobias Andrist

CEO & Leiter Geschäftsbereich Strom

4

Roger Scheidegger

Leiter Geschäftsbereich Wärme
Sparte Wärme

5

Alain Jourdan

CFO / Stv. CEO
Financial Services

6

Norbert Bäckert

Leiter Geschäftsbereich Netz
Sparte Netz

Die Organe der Genossenschaft

Die EBL ist als privatrechtliche Genossenschaft organisiert. Die Einzelmitglieder sind natürliche oder juristische Personen des privaten oder des öffentlichen Rechts. Sie besitzen Liegenschaften, welche an das Stromnetz der EBL angeschlossen sind. Kollektivmitglieder sind Verteilgenossenschaften im Versorgungsgebiet. Die Genossenschafter wählen alle fünf Jahre Delegierte, welche die Interessen der Mitglieder wahren. Aufgrund der anhaltenden bzw. verschärften COVID-19-Massnahmen hat die Geschäftsleitung gemeinsam mit dem Verwaltungsrat den Entscheid gefällt, die Delegiertenversammlung am 2. September 2020 zum ersten Mal in der EBL-Geschichte elektronisch resp. schriftlich durchzuführen.

 

Bericht aus der Delegiertenversammlung

Verwaltungsratspräsident Erich Geiser begrüsste die Delegierten und konnte wiederum über eine erfolgreiche EBL berichten, die sich in einem komplexen Marktumfeld bestens behauptet. Er hob in seiner Eröffnungsansprache hervor, dass es eine Generationenaufgabe sein wird, die durch die geplanten Abschaltungen der Schweizer Kernkraftwerke wegfallende Energie durch neue und wenn möglich erneuerbare Produktionen zu ersetzen. Seit Jahrzehnten investiere die EBL in den Bau von Wärmeverbünden mit erneuerbarer Energie und in die Produktion von erneuerbarem Strom. Das zahle sich weiter aus, was sich im erneut sehr guten Abschlussergebnis widerspiegelt. Die EBL werde weiterhin mit Unternehmertum und Mut zur Innovation vorangehen und die Chancen als nachhaltige Energieversorgerin anpacken. Der abtretende Verwaltungsratspräsident Erich Geiser übergab im Rahmen der Versammlung den Stab an den nachfolgenden Verwaltungsratspräsidenten Martin Thommen.

Tobias Andrist, CEO der EBL, gab an, dass auf operativer Ebene sämtliche Sparten zu dem sehr guten Ergebnis beigetragen haben. Die EBL Mitarbeiter sind weiterhin hochmotiviert im Lean Management engagiert, sodass viele weitere Optimierungen erzielt und die Effizienz gesteigert werden konnten.

Alain Jourdan, CFO der EBL, präsentierte das Jahresergebnis 2019 eines kerngesunden Unternehmens. Der konsolidierte Umsatz der EBL Gruppe von 229,8 MCHF liegt über dem Vorjahr (221,8 MCHF). Der Gewinn nach Steuern konnte auf 24,7 MCHF gesteigert werden. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich von 68% auf 73%, während die EBL mit einem Entschuldungsfaktor von 0,6 (Nettoschulden/EBITDA) eine noch tiefere Verschuldung als 2018 aufweist. Alle fünf Sparten (Netz, Stromvertrieb, Stromproduktion, Wärme und Telekommunikation) haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen.

Die PricewaterhouseCoopers AG, Basel, wurde zudem erneut als Revisionsstelle gewählt.

Nach 15 Jahren im Verwaltungsrat, wovon Erich Geiser 5 Jahre die Funktion des Verwaltungsratspräsidenten innehatte, trat er aufgrund der statutarischen Amtszeitbeschränkung zurück. Sein grosses Engagement für die EBL wurde durch den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung gewürdigt. Martin Thommen übernimmt per sofort das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der EBL.

EBL ORGANIGRAMM

EBL-Organigramm-2020-DE
Verwaltungsrat

Geiser Erich
Bennwil, Präsident (bis 01.09.2020)

Martin Thommen
Sissach, Präsident (ab 02.09.2020)

De Courten Thomas
Rünenberg, Vizepräsident

Buchenhorner Damaris C. 
Ramlinsburg

Buser Christoph
Füllinsdorf

Heinzelmann Alexander
Ramlinsburg

Oberer Heiner
Pratteln

Schaffner Rudolf
Sissach

Weber Stefan
Arboldswil

Zeller Beat
Tecknau

Revisionsstelle

PricewaterhouseCoopers, Basel

 
Geschäftsleitung

Tobias Andrist
CEO, Strom

Alain Jourdan
Stv. CEO, Finanzen und Dienste

Norbert Bäckert
Netz

Roger Scheidegger
Wärme

Adrian Koessler
Telecom

Yves Grebenarov
Stromproduktion (Ab Februar 2020)

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